Ein Ort, an dem Handel und Kultur aufeinandertreffen

Ein Ort, an dem Handel und Kultur aufeinandertreffen

Roula Khalaf, Chefredakteurin der FT, wählt ihre Lieblingsgeschichten in diesem wöchentlichen Newsletter aus. Frankfurt strahlt dank der erleuchteten Türme des festungsartigen Commerzbank-Gebäudes, entworfen von Norman Foster, und den gewölbten grünen Straßenlaternen, die aus den Bürgersteigen der Stadt emporragen, eine besondere Helligkeit aus. Alle zwei Jahre, eine Woche im Frühling, glänzt die Stadt sogar regelrecht. Das nächtliche Stadtbild wird im Rahmen einer Luminale – einem Lichtfestival – verwandelt, das in diesem Monat zum siebten Mal stattfand. In diesem Jahr gab es Displays von Day-Glo-Graffiti bis hin zu blauen Glühlampen, die beim Einsprühen mit Wasser leuchteten. Die Luminale fiel mit der Messe Light+Building zusammen, die etwa 195.000 deutsche und ausländische Besucher anzog.

Die Luminale unterstreicht, wie Kultur und Handel schon lange in Frankfurt miteinander verflochten sind. Die Geburtsstadt von Goethe mit einer Bevölkerung von knapp unter 700.000 Einwohnern ist Deutschlands fünftgrößte Stadt. Das Städel, eine Kunstsammlung am südlichen Ufer des Mains in Sachsenhausen, wurde 1815 als bürgerliche Stiftung vom Bankier und Kaufmann Johann Friedrich Städel gegründet. Handelsmessen spielen seit dem 12. Jahrhundert eine Rolle im Geschäftsleben der Stadt und haben sich zu Veranstaltungen entwickelt, an denen Menschen aus aller Welt teilnehmen.

Die Entscheidung, die Europäische Zentralbank, die monetäre Behörde der EU und alleiniger Drucker des Euro, neben diesen Gebäuden anzusiedeln, hat dazu beigetragen, den Status der Stadt als führendes Finanzzentrum der Eurozone zu stärken. Die lange Beziehung Frankfurts zur Finanzwelt – hier, in den 1760er Jahren, gründete Mayer Amschel Rothschild eine der berühmtesten Bankendynastien der Welt – ist nicht ohne Kontroversen. Die Zentralbank hat etwa 1.000 Mitarbeiter eingestellt, um ihre Verantwortung als Bankenaufsichtsbehörde der Region zu erfüllen, was zu hitzigen Debatten geführt hat.

Die Hauptgeschäftsstelle soll in diesem Jahr eröffnet werden. Bis dahin werden die Planen um die Baustelle ein Graffiti-Projekt namens underARTconstruction unterstützen, das von einem lokalen Jugendbetreuer, Stefan Mohr, ins Leben gerufen wurde und einen Sinn für die Eurokrise vermittelt. Einige der Spraydosen und Schablonen, finanziert durch die EZB, machen sich über die Währungshüter der Eurozone lustig und kritisieren den Schaden, der dem Währungsraum zugefügt wurde. Eines der meistfotografierten Werke auf den Planen zeigt Mario Draghi, den Präsidenten der EZB, in einem James-Bond-Stil-Anzug, der im Casino Royale spielt, während die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel wachsam zuschaut.

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