Deutschland war einst die Exportmacht der Welt. Jetzt wächst es nicht mehr. Was ist passiert?

Deutschland war einst die Exportmacht der Welt. Jetzt wächst es nicht mehr. Was ist passiert?

Die deutsche Wirtschaft steckt weiterhin in einer Wachstumsflaute, wie am Freitag veröffentlichte Zahlen zeigen. Als Industriemacht Europas kämpft das Land mit hohen Energiepreisen, steigenden Kreditkosten und einer schwächelnden Erholung vom wichtigsten Handelspartner China. Im zweiten Quartal stagnierte die Wirtschaftsleistung in Deutschland, nach einem Rückgang von 0,1% in den ersten drei Monaten des Jahres und einem Rückgang von 0,4% in den letzten drei Monaten des Jahres 2022. Die internationalen Finanzinstitutionen warnen davor, dass Deutschland in diesem Jahr als einzige große Volkswirtschaft der Welt schrumpfen könnte.

Die deutschen Herausforderungen umfassen die Abhängigkeit von russischem Erdgas, die zu einem Versorgungsschock führte und Energiekosten für energieintensive Branchen wie Metalle, Glas, Autos und Düngemittel in die Höhe trieb. Darüber hinaus belasten höhere Zinsen der Europäischen Zentralbank Bauvorhaben, die auf Kredite angewiesen sind. Die Erholung in China, dem größten Handelspartner Deutschlands, verlief nach dem Ende der COVID-19-Beschränkungen weniger erfolgreich als erhofft.

Der Vizekanzler und Wirtschaftsminister Robert Habeck bezeichnete die wirtschaftliche Leistung im zweiten Quartal als “weit von zufriedenstellend”. Er forderte Maßnahmen zur Begrenzung der Energiepreise für die Industrie und mehr Investitionen in Zukunftstechnologien wie erneuerbare Energien. Langfristige Faktoren wie eine alternde Bevölkerung, rückständige Nutzung digitaler Technologien, übermäßige Bürokratie, Fachkräftemangel und ein Mangel an Investitionen in öffentliche Bauprojekte haben ebenfalls auf die Wirtschaft gedrückt.

Trotz der Wachstumsflaute sind Arbeitsplätze in Deutschland reichlich vorhanden, mit Unternehmen, die um Arbeitskräfte konkurrieren und über Fachkräftemangel klagen. Die Arbeitslosenquote lag im Mai bei nur 2,9%, weit unter den 6,5% der Eurozone. Die aktuelle Situation wird von Experten als “Slowzession” beschrieben, da die Wirtschaft zwischen Stagnation und Rezession feststeckt. Die aktuellen Daten deuten darauf hin, dass die wirtschaftliche Aktivität in den kommenden Monaten schwach bleiben wird. Deutschland wird mit den wirtschaftlichen Herausforderungen der späten 1990er Jahre verglichen, als hohe Arbeitskosten die Wettbewerbsfähigkeit des Landes beeinträchtigten. Laborreformen unter dem ehemaligen Kanzler Gerhard Schröder in den frühen 2000er Jahren halfen, das Wirtschaftswachstum wiederherzustellen.

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