Die Frankfurter Schule wusste, dass Trump kommt

Die Frankfurter Schule wusste, dass Trump kommt

Nach der Präsidentschaftswahl gab es eine kleine positive Nachricht: Die Thomas Mann Villa in Los Angeles wurde gerettet. Das Haus, das in den vierziger Jahren nach Manns Vorgaben gebaut wurde, stand früher in diesem Jahr zum Verkauf und schien dem Abriss geweiht zu sein. Nach langwierigen Verhandlungen kaufte die deutsche Regierung das Anwesen mit der Absicht, es als Kulturzentrum zu etablieren. Das Haus sollte nicht nur wegen des berühmten Schriftstellers, der dort lebte, erhalten bleiben, sondern auch an einen tragischen Moment der amerikanischen Kulturgeschichte erinnern, als Mann sich 1952 aufgrund von McCarthyismus gezwungen sah, aus den USA zu emigrieren.

Mann war nicht der einzige zentraleuropäische Emigrant, der in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg unruhige Gefühle erlebte. Mitglieder der Frankfurt School waren ähnlich alarmiert. Max Horkheimer und Theodor W. Adorno halfen 1950 bei der Zusammenstellung eines Bandes mit dem Titel “The Authoritarian Personality”, das ein psychologisches und soziologisches Profil des “potenziell faschistischen Individuums” erstellte. Adorno identifizierte die größte Gefahr für die amerikanische Demokratie in der Massenkultur von Film, Radio und Fernsehen und sah einen verschwimmenden Unterschied zwischen Realität und Fiktion. Anhand von Fallstudien wurde eine stetige Ansammlung von rassistischen, antidemokratischen, paranoiden und irrationalen Gedanken festgestellt, die die deutschen Sprecher nachdenklich stimmten.

Mit der Wahl von Donald Trump steht die latente Bedrohung des amerikanischen Autoritarismus kurz vor der Realisierung, dessen Merkmale bereits von aktuelleren Soziologen kartiert wurden. Die sozialen Medien verschwimmen die Grenze zwischen Kultur und empirischer Realität und Adornos Befürchtungen scheinen sich im 21. Jahrhundert zu bewahrheiten. Die Kombination aus wirtschaftlicher Ungleichheit und popkultureller Oberflächlichkeit ist genau das Szenario, das Adorno und andere im Sinn hatten. Auch klassische Medien unterstreichen diese Wertefreiheit, indem sie Trump-Geschichten verbreiten, um ihre Klickzahlen zu steigern.

Deutschland scheint zunehmend das stärkste verbleibende Bollwerk der liberalen Demokratie zu sein, während Amerika vorübergehend die Rolle des moralischen Führers der Welt abgelegt hat. Die deutschen Bürger sind weniger geneigt, den Kräften nachzugeben, die die amerikanische Öffentlichkeit verwüstet haben. Trotzdem rückt die politische Rechte in Deutschland vor, wie in ganz Europa. Angela Merkels erneute Kanzlerkandidatur im nächsten Jahr wird mit Spannung erwartet. Die deutsche Geschichte hat gezeigt, dass sie aus ihren Fehlern gelernt hat, doch die Angst ist, dass die gegenwärtige antidemokratische Welle selbst für Deutschland zu stark sein könnte.

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