Zur Feier der Veröffentlichung von Stuart Jeffries’ “Grand Hotel Abyss: The Lives of the Frankfurt School” in der Taschenbuchausgabe werden Auszüge und Stücke im Zusammenhang mit den Denkern der Frankfurter Schule erneut veröffentlicht. Hier spricht Stuart Jeffries über das Fehlen von Frauen in der Frankfurter Schule und die Kontaktpunkte zwischen den Denkern des Instituts für Sozialforschung und Theoretikern des Feminismus. Bei meinen Recherchen zu “Grand Hotel Abyss: The Lives of the Frankfurt School” verfolgte mich eine Frage besonders: Wo waren die Frauen? War die Rolle der Frauen am Institut für Sozialforschung darauf beschränkt, die männlichen Genies mit Kaffee zu versorgen, die Manuskripte zu tippen und Atlantikpassagen zu arrangieren, damit die Denker, die überwiegend marxistische Juden waren, vor Hitler fliehen konnten?
Die Frankfurter Schule war keineswegs ignorant hinsichtlich der Unterdrückung von Frauen, und die wenigen Passagen, die sie zu diesem Thema geschrieben haben, waren für einige feministische Denker inspirierend. Adorno schrieb in seinem Buch “Minima Moralia: Reflexionen aus dem beschädigten Leben” aus dem Jahr 1951 beispielsweise einen brillanten Absatz, der die Vorstellung des “weiblichen Charakters” auseinandernimmt und argumentiert, dass dieser das Produkt einer männlichen Gesellschaft ist. Adorno glaubte, dass Frauen unterdrückt sind und dabei keineswegs mehr als in der Reduzierung auf und Verpflichtung zur Rolle des weiblichen Charakters.
Der Historiker der Frankfurter Schule Martin Jay argumentierte in “The Dialectical Imagination”, dass diese instrumentale Rationalität zu den Schrecken des 20. Jahrhunderts geführt hat. “Tatsächlich”, argumentierte Jay, “antizipierte der Sadismus der Aufklärung gegenüber dem ‘schwächeren Geschlecht’ die spätere Zerstörung der Juden – beide, Frauen und Juden, wurden mit der Natur als Objekten der Unterdrückung identifiziert.”
Die Verbindung zwischen der Frankfurter Schule und dem Feminismus ist komplexer als nur die Vorstellung, dass ersterer letzteren lediglich für seine Ziele ausgenutzt hat. Angela Davis ist ein Beispiel dafür, wie die kritische Theorie der Frankfurter Schule einer führenden Feministin geholfen hat, anstatt sie auszubeuten. Ihre intellektuelle Bildung zeigte zweifellos, dass die kritische Theorie der Frankfurter Schule hilfreich für eine führende feministische Denkerin war.