Der Europäischen Zentralbank hat am Donnerstag ihren Leitzins um einen Viertelpunkt gesenkt und liegt damit vor der US-Notenbank Federal Reserve, da Zentralbanken auf der ganzen Welt dazu tendieren, die Kreditkosten zu senken. Dies hat weitreichende Folgen für Hauskäufer, Sparer und Anleger. Die EZB senkte ihren Leitzins auf 3,75% von einem Rekordhoch von 4% bei einem Treffen des 26-köpfigen Zinssetzungsrats der Bank in Frankfurt.
Nach einer Pressekonferenz sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde, dass die Inflation ausreichend gesunken sei, um mit der Senkung der Zinsen zu beginnen. Analysten gehen davon aus, dass die EZB nach dem Viertelpunkt-Zinsschnitt vom Donnerstag zunächst keine schnelle Folge von weiteren Zinssenkungen einleiten wird.
Zentralbank-Referenzzinssätze sind entscheidend für Regierungen, Unternehmen, Hauskäufer, Investoren und Sparer. Sie beeinflussen die Kreditkosten in der gesamten Wirtschaft, sodass niedrigere Zinsen niedrigere Hypothekenzinsen und Kreditkartengebühren bedeuten können. Niedrigere Zinsen können auch die Aktienpreise und den Wert von Altersvorsorgekonten steigern sowie ein stärkeres Wirtschaftswachstum bedeuten, das die Unternehmensgewinne steigern könnte.
Die EZB sah sich einem neun Jahre langen Anstieg der Immobilienpreise im Euroraum gegenüber und bremste die Bauaktivitäten, die besonders empfindlich auf die Kreditkosten reagieren. Höhere Zinssätze haben auch die Vorlaufkosten für den Bau neuer erneuerbarer Energieerzeugung erhöht, was Befürchtungen aufkommen ließ, dass hohe Zinsen den Übergang Europas weg von fossilen Brennstoffen gemäß den Pariser Klimaabkommen von 2015 verlangsamen könnten.