Französischer Autor Michel Houellebecq auf der Frankfurter Buchmesse – DW – 10.12.2017

Französischer Autor Michel Houellebecq auf der Frankfurter Buchmesse – DW – 10.12.2017

Der Abend im Frankfurter Theater war lange ausverkauft. Dort fand eine Lesung und Diskussion mit dem umstrittenen französischen Autor Michel Houellebecq statt, das Highlight des ersten Tages der Frankfurter Buchmesse. Auf der Bühne saßen neben dem Autor drei Frauen: eine Übersetzerin, eine Interviewerin und die Moderatorin des Abends.

Das Publikum war gespannt darauf, Passagen aus seinem jüngsten Roman “Unterwerfung” zu hören, der von vielen Lesern als wegweisende Arbeit angesehen wird und am Tag des Angriffs auf das französische Satiremagazin Charlie Hebdo veröffentlicht wurde.

Der Roman spielt in Frankreich, wo eine moderate islamistische Partei die Wahlen gewinnt und Frieden in einem land bringt, das von Zuständen wie einem Bürgerkrieg zerrissen ist. Aber es gibt einen Preis zu zahlen: Westliche Werte und Menschenrechte, einschließlich der Geschlechtergleichheit, treten in den Hintergrund. Einige Leser empfanden “Unterwerfung” als Provokation, andere sahen es als Warnung vor einer Situation, der sich die westeuropäischen Nationen in Zukunft stellen könnten.

Houellebecq, in Jeanshemd und seinem Markenzeichen, einem grünen Parka mit Fellbesatz, betrat in unverwechselbarer Weise die Bühne mit etwas ungeschickten Gesten und seinem unruhigen Haar. Er sprach über sich selbst als Schriftsteller, thematisierte den Zustand der europäischen Kultur im Allgemeinen und die Gefährdung durch den Mangel an einer gemeinsamen Sprache.

Der Franzose argumentierte, dass literarische Übersetzer in Europa mehr bezahlt werden müssen, um sicherzustellen, dass europäische Nationen mehr als nur ihre eigenen Bücher und Übersetzungen aus dem Englischen lesen. Er betonte die Bedeutung des Romans als Literaturgattung, die im Laufe der Jahre alle anderen Genres wie Essay, Gedicht und Tragödie kannibalisiert hat. Houellebecq beendete den Abend mit einer kurzen Lesung der deutschen Übersetzung von “Unterwerfung” durch einen deutschen Schauspieler.

Trotzdem verließen viele die Veranstaltung auf der Frankfurter Buchmesse mit dem größten Star der französischen Literaturszene mit Enttäuschung. Michel Houellebecq wird als kultureller Pessimist beschrieben, der den intellektuellen Stillstand seit 1860 beklagt und Schwierigkeiten hat, in einer Ära der Mittelmäßigkeit zu leben. Am Ende bleibt offen, ob Houellebecq mit seinem kritischen Blick auf die europäische Kultur und sein literarisches Schaffen die Zuhörer beeindrucken konnte.

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