Frankfurt, Deutschlands Finanzmetropole, hat einen gemischten Ruf: Bekannt für seinen riesigen Flughafen und seinen Cluster von Wolkenkratzern in der Innenstadt, wird es manchmal als ein Ort angesehen, den man durchquert, um nicht lange zu verweilen, ein Ort für Geschäft statt Vergnügen. In Immobilienbegriffen ist die Stadt (Bevölkerung 685.000) laut David Schmitt, Manager des Frankfurter Büros von Engel & Völkers, “unterbewertet”. Dies obwohl Frankfurt der Sitz der Europäischen Zentralbank und Veranstaltungsort einer wichtigen Autoshow und Buchmesse ist.
Schmitt schätzt, dass Luxusimmobilien zwischen 2007 und 2011 um 25 bis 30 Prozent im Wert gestiegen sind (ohne Berücksichtigung der Inflation), mit durchschnittlichen Anstiegen von etwa 6 Prozent in den letzten 12 Monaten. Laut Engel & Völkers haben zwei Straßen in Frankfurt es auf die Liste der teuersten Wohnadressen Deutschlands geschafft. Etwa 20 Prozent der Käufer von Luxusimmobilien in Frankfurt kommen aus dem Ausland, sagt Schmitt, wobei Nordafrikaner, Chinesen und Südamerikaner – besonders Argentinier – ganz oben auf der Liste stehen.
Ein 332 Quadratmeter großes Penthouse im Westend, das für 2,8 Millionen Euro zum Verkauf steht, befindet sich nur einen kurzen Spaziergang von Frankfurts beliebtem Palmengarten im Bezirk Westend-Süd entfernt. Das Herrenhaus, das als Wohnhaus gebaut, aber bis vor Kurzem als Büro genutzt wurde, ist jetzt wieder seinem ursprünglichen Zweck zugeführt worden.
Jenseits von Frankfurts wohlhabendem Westend hat der Bauboom zweifellos einen allgemeinen Schub für die Infrastruktur der Stadt gebracht. Der Westhafen, ein Flusshafen am rechten Ufer des Mains, war vernachlässigt, aber seine Umgestaltung begann im Jahr 2000 und steht in fast gleicher Höhe mit dem Umbau des Potsdamer Platzes in Berlin. Es wird geschätzt, dass jetzt etwa 1600 Menschen in dem Gebiet in rund 850 Apartments leben.
Nach einem Boom zwischen 1989 und 1994 fielen die durchschnittlichen Preise auf dem deutschen Immobilienmarkt zwischen Mitte der 1990er und Mitte der 2000er Jahre. Könnte der heutige Boom Anzeichen einer Blase haben? Laut Deutsche Bank Research nicht.
Im ländlichen Raum sieht das Bild oft anders aus. In derselben Region von Hessen, etwa 160 km nordöstlich von Frankfurt, befindet sich Rotenburg an der Fulda, eine hübsche Stadt mit gepflegten Gebäuden. Manche Menschen pendeln jeden Tag nach Frankfurt, aber die hübsche bewaldete Landschaft um die Stadt herum ist die Kehrseite der deutschen Immobilienerfolgsgeschichte. In den Dörfern rund um den Ort ist der Markt fast zum Erliegen gekommen.