Nachrichten | Frankfurt: Stadt der weiblichen Fotografinnen

Nachrichten | Frankfurt: Stadt der weiblichen Fotografinnen

Die Entwicklung Frankfurts zu einer internationalen Metropole seit der Industrialisierung ist eng mit der Entwicklung der Fotografie, aber auch mit der Geschichte der sozialen und künstlerischen Emanzipation von Fotografinnen verbunden. Seit der Erfindung der Fotografie und der Gründung der ersten Studios in den 1840er Jahren hat Frankfurt weibliche Fotografinnen angezogen, deren Arbeit regionale, nationale und internationale Aufmerksamkeit erhalten hat. Die enge Beziehung zwischen Fotografie und Stadtbild spielte eine wichtige Rolle, sei es im Fotojournalismus, in der Architektur, Mode- oder Theaterfotografie oder in künstlerischen Fotokonzepten. Laut Museum werden die vielfältigen Beziehungen “durch die Frankfurter Theater- und Magazinfotografinnen Nini und Carry Hess, durch die Architektur- und Sozialfotografinnen Ilse Bing und Ella Bergmann-Michel in der Weimarer Republik sowie durch Gisèle Freund im Bereich sozialer Porträts und der Fotografietheorie” deutlich.

Viele Fotografinnen, die zu ihrer Zeit sehr bekannt waren, haben bisher wenig Anerkennung von der breiten Öffentlichkeit erhalten. Um dies zu ändern, widmet das Historische Museum Frankfurt (HMF) ihnen eine Ausstellung vom 29. Mai bis 22. September unter dem Titel “Stadt der Fotografinnen. “Frankfurt 1844 – 2024” ist eine umfangreiche Ausstellung mit rund 450 regionalen, nationalen und internationalen Exponaten. “Durch den Dialog zwischen den Werken von rund 40 Fotografinnen entstehen generationsspezifische, aber auch wiederkehrende Diskussionen zu gesellschaftlichen Themen und fotografischen Genres. Der städtische Raum wird als sozialer, politischer und kultureller Ort dargestellt und ist gleichzeitig der Motor und das Ziel fotografischer Aktivitäten und Kreativität.”

Fotografische Pionierinnen wie Julie Vogel waren bereits seit den 1840er Jahren in Frankfurt tätig. Die ersten unabhängigen fotografischen Studios von Frauen begannen während der Kaiserzeit aufzukommen, wie das Studio der Porträt- und Theaterfotografin Katharina Culié. In den 1920er Jahren wurde der kulturelle und soziale Wandel vom “Neuen Frankfurt” vorangetrieben, an dem Fotografinnen wie Grete Leistikow, Jeanne Mandello und Ilse Mayer Gehrken beteiligt waren. Besonders Ursula Edelmann schärfte den fotografischen Blick auf die Architektur der 1950er Jahre. In der Generation von 1968 prägten Fotografinnen wie Barbara Klemm, Erika Sulzer-Kleinemeier, Inge Werth und Abisag Tüllmann das fotografische Bild der Stadt. Seit den 1980er Jahren beschäftigt sich Laura Padgett in ihren foto-künstlerischen Studien mit historischen Gebäuden, während Meike Fischer sozialpolitisch auf aktuelle Neubauprojekte fokussiert. Seit den 1960er Jahren haben Mara Eggert, Annegret Soltau, Gabriele Lorenzer und Irene Peschick neue Wege beschritten. Seit den 1990er Jahren sind Susa Templin, Christiane Feser und Sandra Mann in der internationalen Ausstellungs- und Fotoszene vernetzt. Darüber hinaus zeigt die künstlerische Ausbildung von Fotografinnen an der HfG Offenbach und der Städelschule, dass sich Frankfurt nach 1945 von einem Zentrum der Pressefotografie zu einem Ort für zeitgenössische fotografische Kunst entwickelt hat.

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