Eine Frau mit silbergrauem Bob sitzt mit ihrem Ehemann und ihrem mittleren Sohn und blättert durch ein Familien-Fotoalbum. Als sie auf ein Bild einer wunderschönen jungen Frau stoßen, die vollen Lippen und ein wunderschön nachdenkliches Lächeln hat, sagt ihr Ehemann: “Du warst früher die schönste Frau der Welt.” Sie erwidert: “Das habe ich noch nie gehört.” Der Raum bricht in Gelächter aus. Es ist ein kühler Herbstabend und sie sind in einem Gemeindezentrum in Lauchhau-Lauchäcker, in der deutschen Stadt Stuttgart, versammelt, essen Popcorn und schauen den Dokumentarfilm Vergiss Mein Nicht.
Der Film zeigt den Kampf der 73-jährigen Gretel Sieveking mit der Alzheimer-Krankheit und wurde von ihrem Sohn David gedreht. Das Publikum kann sich damit identifizieren. Es handelt sich um eine Vorführung beim Europäischen Filmfestival für Generationen, Europas größtem Festival für ältere Menschen. Die Teilnehmer kommen aus verschiedenen europäischen Ländern und schauen Filme über Themen wie Alter, Krankheit, Einwanderung und existenzielle Ängste.
Das Festival, das in Zusammenarbeit mit der geriatrischen Fakultät der Universität Heidelberg stattfindet, wird von der Gesundheitsbehörde Frankfurt organisiert. Es hat zum Ziel, das Bewusstsein für das Älterwerden zu schärfen, die Herausforderungen älterer Menschen in europäischen Städten anzusprechen und den Dialog in einer Gesellschaft zu fördern, deren demografische Struktur sich stark verändert.
Die Filme beim Festival zeigen die verschiedenen Aspekte des Alterns und behandeln Themen wie Bürokratie, Krankheit und zwischenmenschliche Beziehungen. Die Veranstaltungen werden von Diskussionen begleitet, um die Zuschauer zum Nachdenken anzuregen. Die Festival-Teilnehmer schätzen die Vielfalt der Filme und die Möglichkeit, über das Thema des Alterns zu sprechen und sich auszutauschen.