Willkommen in Frankfurt, Heimat von Eintracht: Deutsch, Europäisch, global… und fußballverrückt.

Willkommen in Frankfurt, Heimat von Eintracht: Deutsch, Europäisch, global… und fußballverrückt.

Es ist sechs Uhr im Frankfurter Bahnhofsviertel und der Arbeitstag ist vorbei. An einem graffiti-besprühten Kiosk treffen sich Alex und Jakob auf ein Getränk. Jakob, der einen ordentlich gebügelten Business-Anzug trägt, arbeitet in einer Bank. Alex, in Shorts, Turnschuhen und einem Fußball-T-Shirt, ist Monteur. “Gas, Wasser und Scheiße”, erklärt er. Weder Alex noch Jakob werden am Mittwoch arbeiten. Sie werden in Sevilla sein, um ihren geliebten Eintracht Frankfurt im Europa-League-Finale gegen Rangers anzufeuern. Wie jeder in dieser Stadt sind sie bereits nervlich am Ende.

Hinter ihnen ist die Wand mit Stickern übersät, die meist mit Eintracht-Motiven versehen sind. “Eine Stadt, Ein Verein” steht auf einem von ihnen. Eine Stadt, ein Verein. Niemand könnte sich über den Vereinsteil streiten. Eintracht ist überall in dieser Stadt präsent. Auf Stickern, in Werbeanzeigen, sogar auf der Dose mit dem lokalen Apfelwein, aus der Jakob trinkt. Jeder in dieser Stadt – Banker, Mechaniker, die Obdachlosen in den Ecken – ist Eintracht-Fan. “Eine Stadt” ist vielleicht fragwürdig. Frankfurt ist eher wie mehrere Städte, die in einem unwahrscheinlich kleinen Raum zusammengedrängt sind.

Die Frankfurter Innenstadt rund um das Romer-Rathaus wird eine Siegesfeier veranstalten, falls Eintracht das Europa-League-Finale gewinnen sollte. “Wir werden hier die Hölle losbrechen, wenn wir gewinnen. Die Stadt wird im Ausnahmezustand sein”, sagt Alex. Er und Jakob werden zu diesem Zeitpunkt in Sevilla sein, aber der Rest der Stadt wird auf den Straßen sein. Das Rathaus hat neun Hochzeiten verschieben müssen, die am Donnerstag stattfinden sollten, um Platz für die Feierlichkeiten zu schaffen. Alex denkt, es ist die richtige Entscheidung. “Man kann jeden Tag heiraten, aber so etwas passiert nur einmal”, sagt er.

Frankfurt, im Gegensatz zu Dortmund und Gelsenkirchen, hat nicht mit großen wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen. “Es ist anders hier, und das liegt teilweise am Club”, erklärt Kind. Eintracht hat in den letzten Jahren riesige Fortschritte gemacht. “Es ist nicht wie in ehemaligen Industriestädten wie Dortmund und Gelsenkirchen, wo die Leute wirklich kämpfen. Wir haben Akademiker und Anwälte unter unseren Ultras”, sagt Kind. Er sagt, es sei kein Zufall, dass Eintracht in diesem Jahr Zehntausende von Fans zu europäischen Auswärtsspielen gelockt hat. “Man sieht, dass die Leute verrückt leidenschaftlich für ihren Club sind, und sie sind in der Lage, viel Zeit und Geld in diese Leidenschaft zu investieren.”

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